Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
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Schwindel


Die beiden Gleichgewichtsorgane jedes Menschen liegen tief im Schädelknochen direkt neben der Hörschnecke. Seine verschiedenen Anteile sind für die Messung von Drehbewegungen in den drei Raumrichtungen sowie von Beschleunigungen in der horizontalen und vertikalen Ebene spezialisiert. Hör- und Gleichgewichtsorgan sind eng verknüpft und funktionieren ähnlich. Daher können Erkrankungen auch beide Systeme gleichzeitig betreffen.

Symptome

Ganz allgemein bezeichnet der Begriff „Schwindel“ eine Störung der räumlichen Orientierung oder eine fälschliche Wahrnehmung von Bewegung. Wenn eines der beiden Gleichgewichtsorgane plötzlich andere Bewegungen anzeigt als das andere, führt dies zu einem heftigen Drehschwindelgefühl, häufig begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Des weiteren können Veränderungen des räumlichen Sehens und Hörens, der Tast- und Bewegungssensoren oder Störungen in der Verarbeitung all dieser Reize hervorgerufen werden.

Das Zusammenspiel aller am Gleichgewichtssinn beteiligten Systeme basiert auf einer ausreichenden Sauerstoffversorgung durch ein funktionierendes Herz-Kreislauf-System. Weiterhin wird es durch die Stimmung der Betroffenen ganz erheblich beeinflusst: Schwindel ist sehr unangenehm und verursacht Angst; umgekehrt werden Schwindelbeschwerden aber auch durch Angst und Unsicherheit verstärkt.

Unsere Leistungsschwerpunkte

Die Komplexität dieser Vorgänge macht es oft nicht leicht, eine genaue Ursache zu finden und zu behandeln. In anderen Fällen ist eine exakte Diagnose von großer sozialer und rechtlicher Bedeutung, denn bei unkontrolliertem Schwindel sind eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr oder andere selbst- und fremdgefährdende Tätigkeiten nicht gestattet. Durch eine ausführliche Diagnostik können wir eine entsprechende Behandlung einleiten.

Diagnostische Angebote

Die audiologische Abteilung der Klinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde ist hervorragend für eine umfassende Schwindeldiagnostik ausgestattet, die je nach Aufwand in der Poliklinik oder in der Innenohrsprechstunde erfolgt. Neben dem Video-Kopfimpulstest und der kalorischen Prüfung sind auch Messungen von Halsmuskelreflexen (VEMP) und Drehstuhluntersuchungen (auch mit exzentrischer Rotation) möglich. Da Innenohr und Gleichgewichtsorgan eng beieinanderliegen und ähnlich funktionieren, gehören oft Hörtests zum Untersuchungsprogramm.

Ganz besonders wichtig ist die gezielte Befragung der Betroffenen und die klinische Untersuchung. Einen entscheidenden Hinweis auf eine Störung der Funktion des Gleichgewichtsorgans liefert oft der Nachweis von gut sichtbaren typischen Augenbewegungen (Nystagmus): Beide Augen bewegen sich langsam nach rechts oder links und zucken dann schnell wieder zurück. Leider kann der „Nystagmus“ oft nur während der Schwindelattacke beobachtet werden.

Therapeutische Angebote

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

Die „Beschleunigungssensoren“ des Gleichgewichtsorgans arbeiten mit kleinen Kristallen (Otolithen), die sich der Schwerkraft entsprechend auf einer Membran mit Sinneszellen bewegen. Gelegentlich lösen sich Otholithen von der Membran ab und schwimmen frei in der Flüssigkeit des Gleichgewichtsorgans. Dabei können sie jedoch auch in einen Bogengang gelangen, in dem Drehbeschleunigungen gemessen werden. Durch die Trägheit ihrer Masse bewegen sich dann die Härchen der Sinneszellen in diesem Bogengang langsamer als auf der Gegenseite und es kommt zu Schwindel. Typisch ist ein heftiger Drehschwindel nach dem Aufstehen aus dem Bett, der erst mit einigen Sekunden Verzögerung einsetzt und höchstens eine Minute dauert. Die Diagnose und Behandlung erfolgt durch spezielle Lagerungsmanöver nach Hallpike, Semont oder Epley, durch die die Otholithen gezielt in der Ebene des betroffenen Bogengangs bewegt und wieder hinausbugsiert werden.

Morbus Menière

Die Menière’sche Erkrankung äußert sich durch wiederholte plötzliche Attacken von Drehschwindel, einseitiger Hörminderung und Tinnitus. Diese dauern ca. ½ Stunde bis ½ Tag und sind bedingt durch eine Störung des Flüssigkeits- und Salz-Gleichgewichts im Innenohr. Zwischen den Schwindelattacken kann die Innenohrfunktion vollständig normal sein, was die Diagnose oft schwierig macht. Es kann aber auch zu bleibenden Hörstörungen und einem Funktionsverlust des betroffenen Gleichgewichtsorgans kommen, wodurch sich allerdings die Beschwerden bessern. Probleme verursachen vor allem Funktionsschwankungen des Gleichgewichtsorgans.  Ganz ähnliche Beschwerden können auch durch eine „vestibuläre Migräne“ entstehen, bei der die migränetypischen Kopfschmerzen gegenüber Schwindelbeschwerden im Hintergrund stehen.

Neuropathia vestibularis

Bei der Neuropathia vestibularis kann es aus unklaren Gründen zu einem plötzlichen Funktionsverlust eines Gleichgewichtsorgans kommen. Als Ursache werden Durchblutungsstörungen oder Entzündungsreaktionen im Innenohr vermutet. Bei der Behandlung ist aufgrund der heftigen Drehschwindelbeschwerden oft eine stationäre Aufnahme unumgänglich. Nach einigen Stunden bis Tagen bessern sich diese stets, weil sich die Funktion des Gleichgewichtsorgans entweder erholt oder der Ausfall über die andere Seite ausgeglichen wird. Im Verlauf ist daher das „Kompensationstraining“ durch Gleichgewichtsübungen die wichtigste Behandlungsmaßnahme.

 

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